World Nuclear Industry Status Report

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Alljährlich erscheint der unabhängige Bericht World Nuclear Industry Status Report mit Analysen zum aktuellen Status der Atomenergie. Herausgegeben von Mycle Schneider. Er ist ein renommierter Nuklearexperte, der sich jetzt abermals explizit öffentlich zur aktuellen Situation in Fukushima geäußert hat. Zu seinen Tätigkeiten gehören unter anderem die Beratung von Unternehmen, öffentlichen Institutionen und Politikern zu den Themen Energie und Atomkraft. Für seine Warnung vor Plutonium erhielt er 1997 gemeinsam mit Jinzaburo Takagi den alternativen Nobelpreis. Der deutsche Fachmann gab der „Deutsche Wirtschafts Nachrichten“ jetzt ein ausführliches Interview und eine ehrliche Einschätzung der Lage in Fukushima ab.

Hat Tepco versagt?

Schneider erklärt, dass es sich bei der Firma Tepco um einen ganz normalen Energiekonzern handle, wie E-on oder RWE, der sein Geld mit dem Verkauf von Strom verdient. Von Anfang an hätte niemand erwarten dürfen, dass dieses Unternehmen dazu in der Lage sei, eigenmächtig die Hinterlassenschaften der nuklearen Katastrophe von Fukushima fachgerecht zu beseitigen und so die Gefahr für Umwelt und Menschen zu eliminieren. Daher empfiehlt der Experte eine internationale Taskforce bereitzustellen, um wesentlich Deeskalation in Fukushima zu betreiben.

Tatsächliche Gefahr

Laut Schneider wurde bisher in Fukushima die dreifache Menge an Radioaktivität aus den zerstörten Reaktorkernen ausgewaschen, als es damals in Tschernobyl der Fall war. Bisher musste sich in der Geschichte also noch niemand mit dem Umgang einer derartig großen Masse an zu bergendem Material auseinandersetzen. Er weist darauf hin, dass sich bisher zu wenig Gedanken um die Abfallentsorgung gemacht worden sind. Sogar das Mehrdutzendfache an freigesetzter Radioaktivität, im Vergleich zu Tschernobyl würde in Form abgebrannter Brennstäbe allein im Reaktor 4 liegen. Der Fachmann gibt zu bedenken, dass alle Vorrichtungen zum Abtransport von Brennelementen beim Erdbeben im März 2011 zerstört wurden. Daher könne man nicht mehr von einem Routinevorgang bei der Entsorgung sprechen, da komplett neue Konzepte erstellt werden müssen.

Billigstrom aus dem AKW?

Mycle Schneider widerlegt die Aussage der Atomlobby, welche behauptet, Kernenergie wäre der am günstigsten zu gewinnende Strom. Aus wirtschaftlicher Sicht wäre die Errichtung eines neuen Atomkraftwerkes heutzutage nicht mehr rentabel. In den USA beispielsweise wurden jetzt 5 Atomkraftwerke geschlossen, da ihnen eine Leasingfirma für Solarplatten den Rang abgelaufen hat.

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Redaktion

Author: Redaktion

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