Fukushima – die Katastrophe geht weiter

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Es ist schon länger bekannt, dass noch immer radioaktives Material aus dem Atomkraftwerk von Fukushima austritt. Schwere Vorwürfe werden gegen die Betreiberfirma Tepco erhoben. Man hätte weitaus mehr Aufwand betreiben können, um die Nachwirkungen der nuklearen Katastrophe wesentlich besser einzudämmen. Langsam, aber sicher ist der Gipfel erreicht.

Nachdem bekannt wurde, dass verseuchtes Wasser einen unterirdischen Wall überwand und vermutlich ins Meer gelangt ist, spricht Shinji Kinjo von der Atomaufsichtsbehörde eine Notfallsituation aus.

Foto: flickr.com, kawamoto takuo

Foto: flickr.com, kawamoto takuo

Die Firma Tepco scheint das Ausmaß der mangelnden Interventionen nicht zu begreifen. Das Grundwasser solle zwar abgepumpt werden, dies bringt jedoch nur einige Monate Zeit und ist keine absolute Lösung, die das Problem dauerhaft behebt. Ein Sprecher erklärte, man würde verschiedene Maßnahmen ergreifen, um das Ablaufen des Grundwassers in den Pazifik zu verhindern. Laut der Zeitung „Asahi Shimbun“ wäre es möglich, dass das verseuchte Wasser innerhalb von nur drei Wochen an die Oberfläche gelangt. Nach dieser Rechnung müssten pro Tag 100 Tonnen Wasser abgepumpt werden, um das Abfließen ins Meer zu verhindern. Dieses Vorgehen ist jedoch rein aus Platzgründen schon nicht möglich, da Tepco die Möglichkeit zur Unterbringung einer solchen Wassermasse fehlt. Es bestehen zwar Speicher mit einem Fassungsvermögen von 380.000 Tonnen, diese haben aber bereits eine Auslastung von 85 % erreicht.

Nachdem die japanische Regierung Tepco direkt nach der Katastrophe im März 2011 gestattete, zehntausende Tonnen radioaktiv kontaminiertes Wasser in den Pazifik abzuleiten, waren die unmittelbaren Auswirkungen diesen Handelns auf die Verstrahlung des Grundwassers anscheinend nicht offensichtlich genug.

Ein Arbeiter sagt entgegen der Anweisung, sich nicht gegenüber Medien zu äußern, aus,  es wurde angeordnet, mit voller Kraft an der Herstellung von neuen Behältnissen für das zu entsorgende Wasser zu arbeiten. „Uns wurde gesagt, dass es ein Notfall ist und dass wir den Bau der Wassertanks beschleunigen müssen, egal wie.“

Belastende Messungen bei Nahrungsmitteln

Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete vor kurzem die unglaubliche Messung von 740.000 Becquerel Cäsium pro Kilogramm, bei einem in der Nähe des Kraftwerks gefangenen Fisch. Damit überschreitet der Wert, den von staatlichen Verbraucherschutzbehörden als unbedenklich eingestuften um das 7400-fache. Der höchste bisher gemessene Wert einer Cäsium-Belastung lag bei 510.000 Becquerel je Kilo.

Als das Atomkraftwerk aufgrund einer Naturkatastrophe zerstört wurde, fand in insgesamt drei Reaktoren eine Kernschmelze statt. Die Radioaktivität gelangte in den Boden, das Meer und die Luft und konnte auch in verschiedenen Nahrungsmitteln nachgewiesen werden.

Forderte die schlimmste Atomkatastrophe seit Tschernobyl 1986 zwar direkt keine Todesopfer, so stellte die japanische Tageszeitung „Tokyo Shimbun“ jedoch fest, dass an den Folgen bisher 800 Menschen verstarben.

Hilfskräfte bemängelten, dass es zu wenig psychologische Unterstützung geben würde. Vor allem die älteren Menschen würden vereinsamen, weil Gesprächspartner fehlen, mit denen das Erlebte verarbeitet werden könnte. Auch wenn es keine Toten gab, so gab es doch Opfer bei dem Unglück. Dies sind vor allem mittlerweile arbeitslose Fischer und Bauern, die in Containerhäusern untergebracht wurden und immer öfter krank werden oder dem Alkohol zusprechen.

Das Ausmaß der Katastrophe wird von Medien und Regierung der Öffentlichkeit gegenüber noch immer schöngeredet. Die Medizinerorganisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) erwartet nur durch die äußere Strahlenbelastung 40.000 bis 80.000 zusätzliche Krebspatienten in Japan. Durch strahlenbelastete Lebensmittel werden weitere 37.000 Krebsfälle befürchtet.

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Redaktion

Author: Redaktion

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