Frankreich vertraut weiterhin auf Atomkraft

Nach Fukushima müsste die Richtung eigentlich klar sein: Geigenzähler, Jodtabletten und Katastrophennahrung sollten unsere Kinder nicht mehr kennen. Es sollten Gegenstände aus der Vergangenheit sein, die uns an eine längst vergangene Ära gefährlicher Radioaktivität gemahnen.
Während Deutschland und andere europäische Länder am Atomausstieg basteln, setzt Frankreich weiter auf Atomkraft – die französische Regierung plant eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten über die geltenden 40 Jahre hinaus.

Kernkraftwerk Tricastin, Frankreich

Kernkraftwerk Tricastin, Frankreich

„Energie 2050“

Im Experten-Bericht „Energien 2050“ wird die Verlängerung der AKW-Laufzeiten über die 40 Jahre hinaus als eine mögliche Option für die Zukunft der Energie in Frankreich genannt. Das Gremium, das den Bericht erstellte, warnte davor, den Atomstromanteil weiter zurückzufahren. Es sprach nicht nur die Empfehlung aus, die Laufzeiten zu verlängern, sondern auch eine neue Reihe von kleineren Atomkraftwerken, die etwa über 1.000 Megawatt Leistung verfügen, zu entwickeln. Dabei ist eine Zusammenarbeit mit Partnern aus Japan und China geplant. Die Genehmigung für eine Verlängerung der Laufzeiten muss von der französischen Atomaufsicht vergeben werden. Allerdings strebt der staatliche Energiekonzern EdF, der enormen Einfluss im Land hat, die Verlängerung bis zu 60 Jahren an.

Opposition will Atomstrom verringern

Die sozialistische und die grüne Partei sind sich hingegen einig, dass der Atomstrom in Frankreich weiter zurückgefahren werden soll. Der Atomstromanteil soll bis ins Jahr 2030 von 75 auf 50 Prozent zurückgeschraubt werden.

Kernenergie dominiert Frankreich

Frankreich hat mit 78 Prozent den höchsten prozentualen Anteil von nuklear erzeugtem Strom – nicht nur europa-, sondern weltweit. Frankreich gehört zu denjenigen Ländern der Erde, die über einen geschlossenen Brennstoffkreislauf verfügen. Zudem ist Frankreich der größte Netto-Exporteur von Strom – ebenfalls weltweit. Die Atomkraft hat in Frankreich also einen besonderen Stellenwert. Derzeit sind 58 Atomreaktoren in Betrieb. Nach dem verheerenden Tsunami in Fukushima führte das französische Institut für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit Stresstests in allen Reaktoren durch. Das Ergebnis: 58 aktive Kernreaktoren müssten aus Gründen der Betriebssicherheit nachgerüstet werden, da bei einer Naturkatastrophe nicht ausreichend Schutz gewährleistet sei.

Laut einer Umfrage im Sommer 2011 wären die Franzosen selbst durchaus bereit, auf Kernenergie zu verzichten. 62 Prozent der Befragten sprachen sich für einen Ausstieg aus der Kernenergie innerhalb von 25 bis 30 Jahren aus.

Redaktion

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