Empörung in Oberösterreich: Temelin soll ausgebaut werden

Ärger mit den Nachbarn, davon können die Oberösterreicher derzeit ein Lied singen: Das tschechische Umweltministerium meldete den Abschluss der Umweltverträglichkeitsprüfung in Temelin. Das Kraftwerk soll ausgebaut werden. Die Oberösterreicher sind empört. Ein Reaktorunfall in Tschechien würde auch die österreichischen Geigerzähler ausschlagen lassen.

Erweiterung um zwei Blöcke

Laut tschechischem Ministerium soll das böhmische Atomkraftwerk um zwei Blöcke erweitert werden. Ende des Jahres 2013 soll der Sieger für das Auswahlverfahren des 12 Milliarden schweren Auftrags feststehen. Inzwischen haben drei Bewerber offizielle Angebote eingereicht: Der US-Konzern Westinghouse, das tschechisch-russische Konsortium MIR und der französische Konzern Areva.

Kernkraftwerk Temelin

Kernkraftwerk Temelin

Das tschechische Umweltministerium betonte, dass 60.000 kritische Stellungnahmen von Organisationen, die ihre Bedenken äußerten, ausgewertet wurden; anschließend seien 90 Maßnahmen für den Umweltschutz festgelegt worden. Der dritte und vierte Reaktorblock soll bis spätestens 2025 fertiggestellt sein. Laut einer Umfrage ist etwa die Hälfte der tschechischen Bevölkerung für einen Ausbau von Temelin. Ein Drittel der Befragten, 36 Prozent, sind gegen einen weiteren Ausbau.

„Scheinverfahren ohne Mindeststandards“

Rudi Anschober, Umweltlandesrat, wählt deutliche Worte: Der UVP Bescheid sei ein wertloses Stück Papier und es werde keinen Ausbau geben. Auch Greenpeace sieht die tschechische Umweltverträglichkeitsprüfung kritisch und nennt die Prüfung ein „Scheinverfahren ohne demokratische Mindeststandards“. Laut Greenpeace wären bereits während des Stresstests im vergangenen Jahr Sicherheitsmängel im relativ neuen AKW festgestellt worden. Der Umweltlandesrat sieht in der Ankündigung des Ausbaus hingegen ein innenpolitisches Manöver, da – wie Anschober meint – auch den Experten in Tschechien die Unwirtschaftlichkeit von Temelin klar sei. Der Ausbau würde einen Finanzbedarf von 10 bis 12 Milliarden Euro verschlingen, dass die Betreiberfirma CEZ diesen enormen Kapitalbedarf auftreiben könnte, sei unwahrscheinlich. Ein Ausbau würde sich nur dann rechnen, wenn der Staat diesen massiv subventionieren würde.

„Energiepolitisch die letzten von gestern“

Auch in Wien klingt die Verärgerung durch: Nikolaus Berlakovich, der Wiener Umweltminister, meint zum angekündigten Ausbau: „Offensichtlich hält Tschechien daran fest, energiepolitisch weiter zu den Letzten von gestern zu gehören“. Berlakovich meinte zudem, es sei wesentlich, die Bedenken der österreichischen Bevölkerung ernst zu nehmen.

Rechtliche Schritte

Das Ministerium in Wien und die oberösterreichische Politik ist nun dabei, rechtliche Schritte gegen das tschechische Vorhaben prüfen zu lassen. Landeshauptmann Pühringer will alle Möglichkeiten ausschöpfen, um das „Energie-Mittelalter“ an der österreichischen Grenze zu beenden.

Redaktion

Author: Redaktion

Share This Post On