Atom-Alarm in Belgien: Tausende Risse im Atomreaktor

Am 19. August hielten die Belgier den Atem an: An zwei Reaktoren wurden Materialschäden festgestellt. Belgien schaltete die Atomreaktoren daraufhin ab. Eric van Walle vom belgischen Studienzentrum für Kernenergie warnt: „Sämtliche Reaktoren in Doel und Tihange sind riskant“. Auch andere Länder mit den gleichen Reaktortypen wurden gewarnt.

Atomkraftwerk in Doel, Belgien

Atomkraftwerk in Doel, Belgien

8000 Risse gefunden

Von den Materialschäden sind das AKW Doel bei Antwerpen und das AKW Tihange in der Nähe von Lüttich betroffen. Am Block 3 des AKW Doel wurden gleich 8000 Risse in der Stahlhülle des Reaktorbehälters gefunden und das AKW anschließend vom Netz genommen. Die belgischen Behörden waren um Beruhigung bemüht: Radioaktivität könne keine freigesetzt werden, da die bis zu zwei Zentimeter langen Risse nur an der Oberfläche liegen würden. Außerdem wäre der Brennstoff des Reaktors entfernt worden. Willy De Roovere, Chef der belgischen Atomaufsichtsbehörde, räumte jedoch ein, dass viele kleine Risse auch an der Oberfläche durchaus problematisch sind. Die belgischen Behörden warnten indes alle Länder, in denen baugleiche Reaktortypen errichtet wurden. Laut Experten handle es sich um einen Materialfehler, der „in Serie“ produziert worden sei und auch bei anderen Reaktorbehältern desselben Typs auftreten könne.

Reaktorbehälter aus den 70er-Jahren

Die betreffenden Behälter stammen aus den 70er-Jahren. Die holländische Firma RDM, die diese einst produzierte, existiere nicht mehr. Deshalb lasse es sich auch nur schwer nachvollziehen, wohin die anderen Reaktoren geliefert wurden. Klar ist, dass ein Großteil der RDM-Reaktorbehältnisse in den USA verbaut wurde, einige aber auch in AKWs in Deutschland. Von offizieller Seite gab es dafür allerdings keine Bestätigung. Karina De Beuel, die Sprecherin der Nuklearsicherheitsbehörde AFCN, betonte, dass keine Informationen zu den Kunden bekannt seien.

Probleme mit dem Abklingbecken

Sicher ist allerdings, dass ein baugleicher Reaktor im belgischen Lüttich steht. Schon seit längerem soll es beim Reaktor im AKW Tihange Probleme mit dem Abklingbecken geben, anscheinend läuft aufgrund von winzigen Rissen radioaktives Wasser aus. Das Wasser, das jeden Geigenzähler zum Ausschlag bringen würde, müsse aufgefangen und entsorgt werden. In Belgien existieren nur zwei Atomkraftwerke, jene in Tilhange und in Deol. Karina De Beuel betonte, dass der Reaktor 3 nicht wieder ans Netz gehen werde, da eine Reparatur nicht möglich sei.

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