Deutschlands Atomausstieg geht langsamer voran, als gedacht

Die Empörung nach Fukushima war groß, die Richtung – zumindest für Deutschland – klar: Raus aus dem Atomstrom. Nicht nur die Bürger, auch Kanzlerin Merkel war davon überzeugt. Doch der Atomausstieg Deutschlands stockt und Merkels einsame Entscheidung zum abrupten Atomausstieg wird zur Bewährungsprobe ihrer Kanzlerschaft.

Kernkraftwerk Emsland, Deutschland

Kernkraftwerk Emsland, Deutschland

Die Energiewende kommt – aber wann?

Peter Altmaier hatte keine kleine Aufgabe übernommen, als Merkel ihn zum Umweltminister ernannte. Die „Energiewende“ war beschlossene Sache – was wann wo passieren sollte, das lag jedoch noch im Nebel. Der Ausstieg aus der Atomkraft ist für Kanzlerin Merkel, das ist inzwischen klar, eines der wichtigsten Projekte ihrer Regierungszeit. Doch zur Energiewende gehört mehr als ein überhastetes Abschalten einzelner Reaktoren: Sie verlangt nach sicheren, umweltfreundlichen Alternativen, die bezahlbar sind.

Alternative Energien

Tatsächlich wächst der Sektor der Alternativenergien in Deutschland schneller, als erwartet, doch nicht überall und die Kosten sind noch immer zu hoch. Die Grundlast der Atomkraftwerke fehlt nun vor allem im Süden – Strom durch Windenergie wird allerdings vor allem im Norden produziert. Neue Stromtrassen gen Süden müssen erst gebaut werden. Doch daran können sich die Bürger nicht so schnell gewöhnen und blockieren die Bauprojekte. Auch die Unregelmäßigkeit des anfallenden Stroms aus Wind- und Solarenergie schafft Probleme und auch gegen die Speicherprojekte laufen die Bürger Sturm. Stromlücken in windarmen Zeiten müssen derzeit noch von konventionellen Kohlekraftwerken ausgeglichen werden – diese rechnen sich jedoch durch die Unterauslastung kaum. Auch Umweltminister Peter Altmaier räumte kürzlich ein, dass die Energiewende wohl langsamer vorangehen werde, als erwartet.

Preise für Strom steigen

Und noch eine Problematik blockiert den schnellen Ausstieg aus der gefährlichen „Geigerzähler-Energie“: Die Preise schnellen nach oben. Den Verbrauchern schlägt der Atomausstieg aufs Gemüt, bzw. auf die Brieftasche. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Strompreise in Deutschland verdoppelt. Und es geht weiter nach oben: Bisher zahlte der Durchschnittshaushalt 125 Euro Ökoförderkosten – kommendes Jahr werden es 175 Euro sein. Im Jahr 2020 wird die Kilowattstunde Strom 25,9 Cent kosten – wegen der Steuern für den Netzausbau und der Übernahme der Kosten der Industrie, die von den Steigerungen befreit wurde. Auch die Kosten für die Förderungen der Solarbranche machen sich in Preissteigerungen bemerkbar. 2014 wird eine vierköpfige Familie 400 Euro Zuschlag für erneuerbare Energien zahlen.

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